Sacrow 2024

Japan. Inspiriert durch den neuen Wenders-Film PERFECT DAYS widmen wir die Filmreihe dem asiatischen speziell japanischen Kino. Eintauchen in eine Kultur des Nagomi, einem Prinzip, bei dem Harmonie, Gelassenheit und Lebensfreude an einfachen Dingen im Fokus steht.


2022


Von Man Ray über Michael Curtiz zu Dominik Graf und Lars Kraume 

Ideen und Visionen des Bauhauses auf der großen Leinwand Open Air erleben: Die Filmreihe „Bauhaus und Film“ lädt im Rahmen der bauhauswoche berlin (31. August bis 8. September) zum Open-Air-Kino ins Podewil (Klosterstraße 68, 10179 Berlin). Die von Erfolgsproduzent Joachim von Vietinghoff und Christina M. Schachtschabel (Kunst trifft Kino X Kino trifft Kunst) kuratierte Reihe präsentiert an sechs Tagen ausgewählte Filme und Gespräche mit ausgesuchten Gästen, darunter: Martin Koerber von der Deutschen Kinemathek, Erik Spiekermann, einer der einflussreichsten deutschen Typografen, Publizist Bert Rebhandl und die Regisseure Heinz Emigholz, Dominik Graf, Martin Gressmann, Lars Kraume, Produzent Thomas Kufus sowie die Schauspieler Anna Maria Mühe und August Diehl. Gezeigt werden Werke von Ende der 1920er Jahre bis heute, Filme des Stummfilmpioniers Hans Richter, des Fotografen Man Ray, von Hollywoodregisseur Michael Curtiz bis hin zu Dominik Graf,
Lars Kraume und Heinz Emigholz.

Sonntag, 1. September 2019, 20.30 Uhr, HANS RICHTER / MAN RAY
Kurzfilme von Hans Richter (Filmstudie (04:17 min) 1927, Rhythmus 21 (03:03 min) 1921,  Rhythmus 23 (03:21 min) 1923, Inflation (03:21 min) 1928, Zweigroschenzauber (03:00 min), 1928/1929, Alles dreht sich, alles bewegt sich (09:00 min) 1929, Rennsymphonie (05:42 min) 1928) und Kurzfilme von Man Ray (Le Retour à la Raison (03:00 min) 1923, Les Mystères du Château du Dé (19:00 min) 1929, Emak Bakia – Cinépoème (17:00 min) 1926
Begrüßung durch Joachim von Vietinghoff, Produzent und Corinna Scheller, Kulturprojekte Berlin, Einführung durch den Kunsthistoriker und Gestalter Erik Spiekermann und Martin Koerber, Chefarchivar der Deutschen Kinemathek

Der 1888 in Berlin geborene deutsche Maler, Grafiker, Autor und Filmkünstler Hans Richter lebte in Berlin, Weimar, Zürich und später in New York. Er beginnt in den 20er Jahren erste abstrakte Filme zu drehen. Richters frühe experimentelle Filmarbeiten markieren die Transformation der Filmkunst aus der zweidimensionalen Grafik und Fotografie. Ab ca. 1927 komponiert er dokumentarische Aufnahmen mit Inszenierungen und ungewöhnlich montierten Doppelbelichtungen zu narrativen Strukturen.

Man Ray, 1890 als Emmanuel Radnitzky in Philadelphia geboren, lebte seit 1921 in Paris. Dort entstand unter dem Einfluss der Dada-Bewegung und der vielfältigen modernen Ismen der Zeit sein umfangreiches fotografisches Werk. Auf ihn geht die Erfindung des Fotogramms, auch als Rayographie bezeichnet, zurück. Dabei werden Objekte direkt auf lichtempfindliches Fotopapier oder Film gelegt, diese Technik verwendet er auch in seinen Kurzfilmen. So entstehen abstrakte Kompositionen in Bewegung bis er ähnlich wie Richter mit filmischer Handlung und Darstellern arbeitet. Beide Künstler kannten sich und arbeiteten ab den 40er Jahren auch zusammen.

Montag, 2. September, 20.30 Uhr, FEMALE (dt. Titel: DER BOSS IST EINE SCHÖNE FRAU)
Regie: Michael Curtiz, USA 1933, 60 min, Vorführung in Originalfassung Englisch, Vorfilm „Filmstudie“ von Hans Richter, 4:17 min, D 1927
Einführung durch den Filmkritiker und Publizisten Bert Rebhandl

Der in Budapest 1886 geborene Regisseur Michael Curtiz brachte mit etwa 35 realisierten (Stumm-)Filmen europäische Filmerfahrungen mit nach Hollywood, bevor er dort 1942 mit „Casablanca“ einen Oscar gewann. In „Female“ zeigt er eine moderne Frau, die selbstbewusste Chefin eines Automobilkonzerns, mit nymphomanischen Zügen. Er konstruiert ein Frauenbild wie es 1933 noch möglich war. Ein Jahr später wurden mit dem sog. „Hays-Code“ Darstellungen von Kriminalität, Sexualität und politisch indizierter Thematik verboten.

Dienstag, 3. September, 20.30 Uhr, BICKELS [SOCIALISM]
Regie & Buch: Heinz Emigholz, D/ISR 2015–17, 92 min, Vorfilm „Filmstudie“ von Hans Richter, 4:17 min,
 D 1927

Publikumsgespräch mit dem Regisseur Heinz Emigholz

Heinz Emigholz erforscht immer wieder aufs Neue das Grenzgebiet zwischen Kunst und Film. Mit diesem Film widmet er sich Samuel Bickels, einem vergessenen Architekten der israelischen Architektur. Geboren 1909 in Galizien emigrierte Bickels später nach Palästina, wo sich im neu entstehenden Staat u.a. mit den Bauhaus-Schülern Ariel Sharon und Erich Mendelsohn eine eigene Architektur der Moderne entwickelte. Die von Bickels entworfenen Gebäude verkörpern die Idee einer sozialen und kulturellen Wechselwirkung. Einige von ihnen werden heute noch genutzt, andere sind verfallen, aber noch immer ist ihre Verbundenheit mit der jeweiligen Umgebung spürbar.

Mittwoch, 4. September, 20.30 Uhr, PHILIP ROSENTHAL — DER UNTERNEHMER, DER NICHT AN DEN KAPITALISMUS GLAUBTE
Regie & Buch: Dominik Graf und Martin Gressmann nach einer Idee von Claus Jürgen Pfeiffer, D 2018
 60 min, Vorfilm „Filmstudie“ von Hans Richter, 4:17 min, D 1927

Im Gespräch: Regisseur Dominik Graf und Kameramann Martin Gressmann

Der Dokumentarfilm zeigt Philip Rosenthal als stilbildenden und weit denkenden Unternehmer, der nach 1945 modernes Design in die Bundesrepublik Deutschland brachte. So ließ er auch Bauhausideen in der Porzellanproduktion einfließen. Er ermöglichte außerdem die beiden letzten und dabei wegweisenden Fabrikbauten von Walter Gropius für die Rosenthal AG in Selb und Amberg 1967 und 1968. Rosenthal war überdies in sozialpolitischer Hinsicht Vorreiter und förderte die Emanzipation seiner Belegschaft durch moderne Kapitalbeteiligung und schaffte ein Arbeits- und integriertes Lebensumfeld, wie man es heute eher von Unternehmen aus dem Silicon Valley kennt.

Freitag, 6. September und Samstag, 7. September, 20.30 Uhr, DIE NEUE ZEIT (I+II)
Teile 1–3 (Sa.) und 4–6 (So.) der sechsteiligen ZDF-Serie über das Bauhaus, Regie: Lars Kraume, Produktion: zero one film / Thomas Kufus, D 2019, 6 x 45 min
Gäste: Lars Kraume, Anna Maria Mühe, August Diehl, Thomas Kufus sowie weitere Mitglieder des Filmteams. Die Kopie des berühmten „Afrikanischen Stuhls“ und ein Marcel-Breuer-Modell werden zur Vorführung im Podewil zu besichtigen sein.

Die sechsteilige TV-Serie beginnt mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zusammenbruch des Kaiserreiches. In dieser Zeit des Aufruhrs studiert eine junge Frau an der konservativen Kunstakademie in Weimar. Als sie Walter Gropius‘ erste Rede an der neu gegründeten Bauhausschule hört, schreibt sie sich dort begeistert als Studentin ein. Die Serie rahmt ein Interview zwischen der fiktiven Journalistin Branderup und Bauhausgründer Gropius ein. In dem Gespräch konfrontiert sie ihn mit dem Vorwurf, er selbst habe die modernen Ideale des Bauhauses verraten, da die Frauen an seiner Schule nicht gefördert worden seien und er weibliche Talente systematisch unterdrückt habe. In der Retrospektive kommen so all die namenhaften Künstler und Designer zu Wort, die das Bauhaus zu einer einzigartigen Kunstschule machten — Johannes Itten, Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger, Gertrud Grunow, László Moholy-Nagy, Paul Klee und Wassily Kandinsky, Marcel Breuer, Gunta Stölzl, Marianne Brandt, Josef und Anni Albers.

Alle Filme der Reihe werden im Garten des Podewil (Klosterstraße 68, 10179 Berlin) gezeigt. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr, Filmstart ca. 21 Uhr. Eintrittspreise: Sonntag bis Mittwoch: 8 Euro (ermäßigt 6 Euro), Freitag und Samstag: 12 Euro (ermäßigt 8 Euro).

Bei schlechtem Wetter werden die Filme im Foyer des Podewil vorgeführt.

Die bauhauswoche berlin ist Teil der bundesweiten Aktivitäten unter dem Dach von 100 jahre bauhaus und nähert sich gemeinsam mit zahlreichen Berliner Kulturinstitutionen, Museen und Projekten unter der Überschrift 100 jahre bauhaus in berlin dem Thema aus unterschiedlichsten Perspektiven.

Gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa verantwortet Kulturprojekte Berlin die Koordination und Kommunikation von 100 jahre bauhaus in berlin und organisiert die bauhauswoche berlin 2019. Medienpartner sind Berliner Morgenpost, radioeins, tip berlin, ZITTY und AskHelmut.  


Sie möchten mehr erfahren? 

  

http://vonvietinghoff-film.de/

2017

in Aschersleben

 

GRAFIKSTIFTUNG NEO RAUCH     &     KINO TRIFFT KUNST X KUNST TRIFFT KINO 

Gemeinsam mit der Neo Rauch Grafikstiftung präsentiert der Potsdamer Filmproduzent Joachim von Vietinghoff im März 2017 eine Filmreihe in den Räumen der Neo Rauch Grafikstiftung in Aschersleben.
 Ziel ist es, die Wirkungspotentiale von Bildender Kunst und Film miteinander zu verschränken. So reagiert die vorgesehene Filmauswahl auf die aktuelle Ausstellung HANNO & NEO RAUCH – VATER UND SOHN, in dem am ersten Tag der Schwerpunkt auf deutsche Kino/Geschichte und die Vater/Sohn-Konstellation gelegt wird. Am zweiten Tag stehen aufbegehrende, starke Frauenfiguren im Mittelpunkt. Für das Programm berücksichtigt wurden Filme, die sich dezidiert auf die 50er/60er Jahre in der damaligen DDR beziehen auch wenn sie im wiedervereinigten Deutschland rekonstruiert fertiggestellt oder produziert worden sind. 

Mit einführenden Vorträgen und Publikumsgesprächen soll vor allem der persönlichen Begegnung Raum gegeben werden. Als Gäste sind der Filmhistoriker Hans Helmut Prinzler, Regisseur Markus Imboden und die Schauspielerin Martin Gedeck vorgesehen. 

Mit der Dokumentation AUGE IN AUGE – EINE DEUTSCHE FILMGESCHICHTE von Michael Althen und Hans Helmut Prinzler beginnt die Filmreihe, die Einblick in die Vielfalt des originär deutschen Kinos seit Beginn in der Weimarer Republik über die Nachkriegszeit bis hin zu aktueller Kinoproduktion gewährt. Mit Michael Althen (1962 – 2011) hören wir noch einmal die Stimme des wohl einflussreichsten Filmkritikers der letzten Jahre: „Deshalb gehen wir ins Kino weil es beides ist: Kunst und Rummelplatz, Dokument und Fantasie, Alltag und Ekstase – wie im Leben. Am Ende müssen wir begreifen, daß alles was deutsche Filmgeschichte ist, in Wahrheit unsere Geschichte ist“. 

Der Filmhistoriker und Freund Althens Hans Helmut Prinzler wird den Film vorstellen. 

VERLORENE LANDSCHAFTEN von Andreas Kleinert wurde von Joachim von Vietinghoff 1991/92 in Koproduktion mit der DEFA produziert. Es ist einer der seltenen Filme, die an dieser historischen Zeitenwende entstanden sind, wo Ost und West im wiedervereinigten Deutschland auf Augenhöhe zusammen gearbeitet haben. Der Film führt auf eine Zeitreise: Nach Jahren kehrt der erwachsene Sohn in die ostdeutsche abgeschiedene Heimat seiner Eltern zurück und durchläuft dort in einer ebenso abgeschotteten wie fantasievollen Umgebung seine Kindheitserinnerung. In teils expressionistisch anmutenden Bildern wird das Beziehungsgefüge von Vater und Sohn beleuchtet, das nicht zufällig in einer mitteldeutschen Landschaft angesiedelt wurde. 

Im biografischen Spielfilm HUNGER AUF LEBEN wird das Leben der ostdeutschen Schriftstellerin Brigitte Reimann vorgestellt. Reimann wurde 1933 in Burg bei Magdeburg geboren, somit gehörte sie derselben deutschen Nachkriegsgeneration wie der 1939 geborene Hanno Rauch an. Markus Imbodens Film entstand auf Grundlage der Tagebücher von Brigitte Reimann „Ich bedaure nichts“ (1955 bis 1963) und „Alles schmeckt nach Abschied“ (1964 bis 1970). Der Film wurde an verschiedenen Orten in Sachsen-Anhalt und in Bitterfeld gedreht, auch hier wurde die Eigentümlichkeiten mitteldeutscher Landschaft in behutsamen Bildern eingefangen. Martina Gedeck erhielt 2004 für ihre Interpretation der Brigitte Reiman den Deutschen Fernsehpreis. 

Regisseur Markus Imboden und Reimann-Darstellerin Martina Gedeck sollen zum Publikumsgespräch eingeladen werden. 

Mit dem 1965 gedrehten, dann auf Jahre verbotenen und 2005 in rekonstruierter Fassung wiederaufgeführten DEFA-Film FRÄULEIN SCHMETTERLING kommt ein selten gezeigter Film auf die Leinwand: ein poetisches Gegenwartsmärchen über das Lebensgefühl junger Menschen in den 1960er Jahren, eine Parabel über den Ausbruch aus Enge und Normalität, über den Traum vom Glück. Nach dem Drehbuch von Christa und Gerhard Wolf entstanden, wird die Geschichte der Selbstfindung eines jungen Mädchens an der Schwelle zum Erwachsenwerden erzählt, dessen künstlerische Begabung sie zum Aussenseiter macht. 

Auch hier ist es die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte des Filmes, die auf Verwerfungen deutscher Geschichte verweisen. In der „Tauwetterperiode“ entstanden, wird der bereits abgedrehte Film nach dem 11. Plenum des ZK der SED in den Giftschrank gesperrt, um 2005 anhand des Regiebuches und des vorhandenen Filmmaterials erneut zusammengesetzt zu werden. Sein experimenteller Charakter, poetische Bildsprache, Originalschauplätze in Ostberlin und nicht zuletzt die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte lassen eine filmische Wiederentdeckung besonderer Art erwarten.